La escuela de aviación mas alta del mundo –
Die höchste Flugschule der Welt

Ecuador, eines der kleineren Länder Südamerikas, ist nicht nur bekannt und berühmt für die spektakuläre Fauna auf den Galapagos-Inseln, sondern auch für seine faszinierende Andenlandschaft, deren Lage am Äquator auch in 3000 m Höhe eine einmalige pflanzliche und tierische Artenvielfalt zulässt, von Orchideen und Bromelien bis zu Kolibri und Kondor – selbst eine Cessna sieht man von Zeit zu Zeit in der Luft. Aus der östlichen und westlichen Kordillere erheben sich zahlreiche teils noch aktive Vulkane, die erst ab etwa 5000 m Höhe schneebedeckt sind. Alexander von Humboldt stellte auf seiner Forschungsreise 1802 beim Versuch, den Chimborazo zu ersteigen, mit im Straßenanzug erreichten 5881 m einen Höhenweltrekord für die damalige Zeit auf – und lernte die Symptome der Höhenkrankheit kennen, die er minutiös beschrieb. Auch für PPL-Piloten ist diese Höhe nicht alltäglich, und das macht das Fliegen hier besonders interessant.

Während eines Aufenthalts in Quito 2009 stieß ich bei der  Suche nach einer Möglichkeit, in die Luft zu kommen, auf die Flugschule der Luftfahrtgesellschaft Icaro, die am Flughafen der ecuadorianischen Hauptstadt angesiedelt ist. Zunächst wurde von flugbegeisterten Ecuadorianern 1972 die Flugschule für Privat- und Berufspiloten gegründet, daraus entstand dann die Fluggesellschaft mit z. Zt. 2 Boeing 737-200 und einer Dash 8. Mit einigen Hubschraubern, von einer großen Chinook über eine Bell 212 bis zum Eurocopter AS 350, wird vor allem für Ölgesellschaften geflogen. In 25 Jahren hat Icaro mehr als 4000 Piloten ausgebildet.

Der Flughafen trägt nach einem Freiheitshelden, der vor fast 200 Jahren  Simon Bolivar half, die Spanier zu vertreiben, den Namen „ Mariscal Sucre“. Er liegt mit 9228 Fuß = 2813 m fast in Zugspitzhöhe, die Dichtehöhe übersteigt oft 11000 Fuß (hier am Äquator klettert die Temperatur trotz der Höhe oft über 20 Grad Celsius), und seine Runway 35/17 ist mit 3120 m Länge keineswegs zu großzügig bemessen. Dies musste auch der Pilot eines aus Madrid kommenden Airbus A 340 im November 2007 feststellen, für den die Piste bei kräftigem Regen etwas zu kurz war. Der Vorfall lief ohne größere Personenschäden ab, aber der Airbus war abseits der Piste noch einige Monate zu bewundern, und bei entsprechenden Wetterbedingungen wurde danach von Zeit zu Zeit der Ausweichplatz Guayaquil angeflogen, an der Küste im Flachland gelegen, wo die TAS nicht so viel größer als die IAS ist… Verlängern lässt sich die Runway nicht – der Flughafen wurde vor ca. 50 Jahren um einiges nördlich des bewohnten Gebiets angelegt, jetzt liegt er mitten im Häusermeer der sich inzwischen 50 km von Süd nach Nord erstreckenden Stadt. Also ist ein neuer Flughafen weiter außerhalb im Bau, mit 7815 Fuß über 1400 Fuß tiefer gelegen und mit 4100 m der längste des südamerikanischen Festlands. 2013 wird er eröffnet werden und den gleichen Namen tragen.

Zwar hat Capitan Elia Liut schon 1921 mit einer Hanriot HD1, einem kleinen französischen Doppeldecker aus dem 1. Weltkrieg, die Anden erstmals überquert. Aber auch kleine Maschinen haben in dieser Höhe so ihre Probleme – deshalb ist die Cessna  172T-41D  der Flugschule mit einem 210- PS- Continental- Turbomotor und Verstellpropeller ausgestattet. Da eine Scheinumschreibung hier mit praktischem und theoretischem Test (ecuadorianisches Luftrecht) bei der allgegenwärtigen Bürokratie mehrere Wochen erfordert, bietet sich der Flug mit einem Safety Pilot/ Instructor an. Zunächst ist Geduld gefragt: im März liegen die Berge der Umgebung oft in den Wolken. Der Hausberg Quitos, der noch aktive Vulkan Pichincha, erreicht immerhin über 4700 m Höhe, und einige Pässe übersteigen die 4000- Meter- Marke. Nach einigen Tagen IMC erlauben die Daten des „oficina de meteorología“ einen Startversuch. Mit Pablo Ruiz und Javier Jaramillo,  freundlichen Piloten  und Fluglehrern der Icaro Flight Academy, gebe ich den Flugplan Richtung Süden entlang der Ruta de los Volcanos und der Panamericana auf. Nach Checkliste umrunden wir die vollgetankte C-172. Der Flieger, obwohl Baujahr 1969, scheint nicht nur äußerlich tiptop in Ordnung und bestens gewartet zu sein- an Mechanikern mangelt es nicht. Ich bewundere die schöne Bemalung und das Icaro- Logo auf dem Seitenruder – den Hinweis auf den fatalen Erst- (und Letzt-) Flug des Namensgebers aus der griechischen Mythologie, eher  Symbol für den Traum vom Fliegen als für eine sichere Landung, verkneife ich mir besser. Und ich verdränge lieber die Gedanken an das Unglück vor 6 Tagen, bei dem eine Beech der Armee im Landeanflug im Nebel in ein Haus in einem Vorort von Quito geflogen ist- 7 Opfer im Flugzeug und am Boden, nach 3 ähnlichen Unfällen hier in den letzten 20 Jahren.

Javier übernimmt den Funk auf spanisch. Angelassen wird natürlich deutlich geleant. Taxi und Run-up wie üblich, dann Warten auf eine Lücke zwischen den zahlreichen an- und abfliegenden Airlinern. Ein nicht ganz kurzer Startlauf auf der Runway 35, und endlich sind wir in der Luft. Die Reiseflughöhe von 12500 Fuß habe ich noch nie so schnell erreicht- von den 2169 Fuß meines Heimatplatzes Schwenningen aus und ohne Turbo benötige ich dafür, z.B. bei einer Alpenüberquerung, doch erheblich länger. Nach einem right turn passieren wir den Flughafen im rechten Gegenanflug. Unverkennbare Orientierungspunkte sind das nach einem Inka- General benannte Coliseo Ruminahui, eine Halle für bis zu 20000 Zuschauer, wo ich vor einigen Tagen einen spektakulären Auftritt von Carlos Santana genießen konnte, das Casa de la Cultura Ecuatoriana im Ejido- Park und der Alameda- Park mit der alten Sternwarte, exakter Nachbau des Bonner Observatoriums. Und dann liegt die Altstadt mit der ganzen Pracht ihrer kolonialen Plätze und Kirchen unter uns. Nicht umsonst war sie die erste, der die Unesco vor 30 Jahren das Prädikat „Weltkulturerbe“ verlieh. Wir verlangsamen die Fahrt, setzen 20 Grad Klappen und können mit 75 kn diesen Anblick ausführlich genießen und fotografieren. Eine 360 erlaubt uns der Tower in Anbetracht des Unfalls letzte Woche, der in der Stadt die Emotionen hochkochen ließ, heute nicht. Dennoch können wir die Klosterkirchen von San Francisco, Santo Domingo und Compania und die Plaza Grande im Stadtzentrum mit Regierungspalast, Kathedrale, erzbischöflichem Palast und Stadtverwaltung im Geviert, typisch für eine kolonialspanische Stadt in Lateinamerika, ausgiebig bewundern. Dann zieht unter uns der Panecillo (= Brötchen) vorbei, ein wegen seiner Form so genannter Hügel mit einer Marienfigur auf der Spitze, an der Stelle eines früheren Inkapalastes über der Altstadt gelegen. Viel zu früh ist der weitere Weg nach Süden für einen VFR- Flug von tiefen Wolken verlegt. Wir passieren noch einmal das schöne Centro historico und sind bald schon mit 75 kn im Landeanflug. Rasches Verlassen der stark frequentierten Runway und zurück zum Apron vor der Halle von Icaro. Neben einer 737 stelle ich die Cessna ab. Der Himmel wird schwarz über der von Autos und Bussen überquellenden Altstadt, und ein Platzregen reinigt die Luft vom Smog.

Dann die Rechnung: Der Preis für eine Flugstunde beträgt 2009 180 US- Dollar + 12% IVA (Mehrwertsteuer), nicht ganz billig, aber im Gegensatz zu Autosprit mit ca. 0,22 €/L Diesel und ca. 0,44 €/L Super ist Avgas mit ca. 1,60 €/L teuer (jeweils von Dollar/Gallone in €/L umgerechnet). Für reguläre Schulung berechnet Icaro 150 US- Dollar/ Stunde + IVA.