Anbei der Reisebericht von Michael Klöters über seine Reise auf die Philippinen 2005:

 

Zum Tauchen waren wir auf die Philippinen, geflogen, genauer nach Mactan Island, einer nur knapp 15 km langen und 8 km breiten Koralleninsel östlich der großen Insel Cebu, gegenüber von Cebu City, der zweitgrößten Stadt der Philippinen nach Manila.

Das kleine Mactan spielt in der Geschichte der Philippinen eine bedeutende Rolle: Nachdem Magellan auf seiner Weltumseglung die Häuptlinge von Cebu unterworfen hatte, widersetzte sich nur noch Lapu-Lapu, der Häuptling von Mactan, den fremden Eroberern. Die Spanier dachten, mit ihrer überlegenen Bewaffnung leichtes Spiel mit den Eingeborenen zu haben. Sie erlitten aber eine böse Niederlage, und Magellan fand bei diesem Kampf den Tod. So ist man hier gleich auf zwei Helden stolz und ehrt sie mit Denkmälern: den großen Weltumsegler und den Häuptling, der sein Land gegen die ausländischen Eroberer verteidigt und seine Unabhängigkeit bewahrt hat.

In ihrem Bericht „In 60 Tagen um die Welt“ (Fliegermagazin 4/2004) hatten Trude und Reto Godly die Philippinen als Schrecken der Privatpiloten bezeichnet. Extrem hohe Gebühren für Immigration, Hygiene-Offizier, Polizei, Handling Agent etc. hatten den beiden Schweizern auf ihrer Weltumrundung mit einer Cessna 185 dort das Leben schwer gemacht. Also sollten wir diesmal darauf verzichten, unser Urlaubsland auch aus der Luft kennen zu lernen? Da erwähnten doch  die Godlys die Flugschule eines Japaners am Mactan Cebu International Airport. Nach ein paar Telefonaten und einer kleinen Odyssee mit dem Taxi (im Gegensatz zur allen Taxifahrern bekannten Abflughalle auf der Nordwestseite der Landebahn befindet sich die General Aviation Area, den Taxifahrern unbekannt, auf der Südostseite) sitze ich Captain Takeshi Ishida, Chef der TopFlite Airways Inc., in seinem gut klimatisierten Büro gegenüber. Normalerweise macht er Rundflüge und Taxiflüge für seine zahlreichen japanischen Gäste, aber gerne verchartert er mir seine nicht ganz junge, aber gut gepflegte Cessna 172 und begleitet mich als Safety Pilot. Seine Beech Bonanza 35V, die ich lieber geflogen hätte, befindet sich leider gerade in Manila. Nachdem wir anhand der großen Karte der Philippinen an der Bürowand und meiner mitgebrachten 1:500000 TPC- Karte (K-11 C) die Flugroute für den nächsten Tag abgesprochen und uns über den Preis geeinigt haben, werfe ich noch einen Blick auf seine Beech Baron, das Prunkstück seiner rotweiß lackierten Flotte, bevor er mich mit seinem Wagen von einem seiner Mechaniker zurück zum Hotel bringen lässt.

Am nächsten Tag werde ich pünktlich abgeholt und durch den dichten Verkehr mit Fahrrädern, Tricycles (Moped- Rikschas), schönen alten bunt bemalten Jeepneys und ihren nicht so attraktiven Minivan- Nachfolgern zum Flugplatz und durch das kleine Tor mit den martialisch bewaffneten Posten zur General Aviation Area gebracht. Captain Ishida wartet schon. Die Skyhawk steht aufgetankt auf dem Vorfeld. Das Wetter ist gut („heiter bis wolkig, Temperatur um 30 Grad“), wie meist von November bis Mai, während es danach häufiger regnet. Wir melden uns auf der Tower- Frequenz, denn Ground werde, wenn nicht so viel los sei, meist übergangen, höre ich. Auch auf die Approach- Frequenz, die ich mir notiert habe, können wir heute verzichten, sie werde nur über 2500 Fuß wegen des IFR- Verkehrs benötigt. Wir erhalten die Startfreigabe für die 04, überfliegen kurz nach dem Start die Nordküste von Mactan Island und gehen im Steigflug auf Nordkurs. Links sehen wir die beiden Brücken, die das kleine Mactan mit der großen Insel Cebu verbinden, und Cebu City mit seinen einschließlich Vororten 2 Millionen Einwohnern lässt sich im Dunst erahnen. Wir überqueren einige große Wasserbecken mit Fisch- und Krebszuchten und folgen der Ostküste von Cebu nach Danao und Borbon. Aus 1500 Fuß Höhe sind Korallenriffe und Fischerboote gut zu sehen. Das z.T. palmenbestandene Land ist terrassiert und wird landwirtschaftlich genutzt. Eine Zementfabrik hilft bei der sowieso einfachen Orientierung. Captain Ishida erzählt einiges über das Land da unten und über sich selbst. Er stammt aus Yokohama, lebt aber schon lange auf den Philippinen. Seine über 60 Jahre sieht man ihm nicht an, Fliegen erhält anscheinend jung.

Im Inselinneren reichen die Berge hier über 3000 Fuß. Wo die Hügel flacher werden, in Borbon, drehen wir auf Nordwestkurs und überqueren Cebu (auf der Nachbarinsel Negros mit Bergen über 8000 Fuß müssten wir etwas mehr klettern). Nachdem wir die Westküste passiert haben, kommt am Horizont schon unser heutiges Ziel, die Insel Bantayan, in Sicht. Nach wenigen Minuten (die Strecke über Wasser beträgt kaum mehr als 10 NM) grüßt ein schöner weißer Sandstrand herauf, davor liegen Korallenriffe. Erst eine Fotorunde, dann können wir uns auf die Landung in Santa Fé vorbereiten. Die Landebahn misst zwar 1000 m, davon sind aber nur die ersten und die letzten 200 m geteert, dazwischen liegt Naturboden. Es empfiehlt sich also, mit 80 statute miles entsprechend knapp 70 Knoten anzufliegen und mit 70 Meilen entsprechend 60 Knoten an der Schwelle aufzusetzen, um das Ausrollen auf dem holprigen Teil der Piste abzukürzen. Das Rollen zum kleinen Flughafengebäude übernimmt Captain Ishida, der die tiefen Schlaglöcher besser kennt und vermeiden kann, um das Fahrwerk seiner Cessna möglichst zu schonen. Der Besitzer des Ogtong Cave Resort, eines paradisischen Fleckchens mit schönem Pool und herrlichem weißen Sandstrand, holt uns ab. Beim leckeren Mittagessen, u. A. mit Schwalbennestsuppe, zu dem mich mein Safety Pilot einlädt, genießen wir den Blick über die Traumbucht mit den Ausleger-Fischerbooten, die die Frische der Köstlichkeiten auf unseren Tellern gewährleisten.

Auf dem Rückweg schauen wir uns nach erneuter Überquerung von Nord-Cebu die Pacijan- Insel in der Camotes-See an. Zur Linken grüßen aus der Ferne die Berge der größeren Insel Leyte. Wir überqueren eine dicht besiedelte Fischerinsel und einige der unzähligen Korallenriffe. Boote mit Tauchern erinnern daran, dass es hier noch andere Möglichkeiten gibt, seinen Urlaub in der dritten Dimension zu verbringen. Wir überfliegen die kleine Insel Olango  und nähern uns wieder Mactan Island. Im rechten Gegenanflug zur Landebahn 04 haben wir die Touristenresorts an der Südostküste im Blickfeld. Bevor wir mit unserer kleinen Cessna wieder in Mactan Cebu International aufsetzen, sehen wir noch abflugbereit einen größeren Jet, eine Regierungsmaschine, die nach Auskunft von Captain Ishida der amerikanischen Air Force One entspricht. Aha, deshalb kommt also vom Tower die Anweisung, wir sollten doch bitte eine kurze Landung machen und den Runway schnellst-möglich verlassen. Ob wohl gerade die Präsidentin Cebu einen Besuch abgestattet hat? Immerhin ist nicht gleich der gesamte Luftraum gesperrt worden. Noch eine erfrischende Cola und ein paar Fotos der C 172 und der Beech Baron, dann fährt mich einer der Jungs mit den blauen TopFlite Airways-T-Shirts zurück zu meinem Hotel.

Zu einem zweiten Flug begleitet mich Rita, meine Frau, trotz ihrer Flugangst: Die Aussicht auf schöne Fotomotive ist zu verlockend. So kann ich mich ganz aufs Fliegen konzentrieren, während ihr der Blick durch die Linse und der Druck auf den Auslöser überlassen bleibt.

Rechtskurve nach dem Start von der 04, in 500 Fuß Höhe über unser Maribago Blue Water Beach Resort, dann übers Meer, genauer die Bohol Strait, Kurs auf die große Nachbarinsel Bohol. Bekannt ist sie wegen der Chocolate Hills, einer seltsamen und einmaligen Hügelformation, der Legende nach Tränen eines traurigen Riesen. Zur Zeit sind die Hügel grün bewachsen, wir haben uns für die schokoladenbraune Farbe die falsche Jahreszeit ausgesucht. Wir umkreisen einen der Hügel mit einem Restaurant, von dem aus Ausflügler den Blick über die Landschaft genießen und uns sicher um unseren noch erheblich besseren Ausblick beneiden. Die zweite Attraktion Bohols können wir aus der Luft nicht bewundern: Koboldmaki-Äffchen, die kleinsten Primaten der Welt mit großen runden Augen. Wir passieren den Flugplatz und den Hafen von Tagbilaran, der Inselhauptstadt. Dann fliegen wir an der Küste von Panglao Island entlang. Fischerdörfer, kleine Hotelanlagen, Korallenriffe – dieses Land bietet unendlich viele Möglichkeiten für traumhafte Urlaubstage. Wendepunkt für unseren Ausflug ist ein Leuchtturm auf einem Korallenriff mit einer sichelförmigen weißen Sandbank. Der Rückweg führt uns an Cabilao Island vorbei. Wir umrunden die Insel, die ich vor ein paar Tagen schon bei einem Tauch-Ausflug mit dem Auslegerboot kennen gelernt habe. Manche der Inselchen, die wir überfliegen, sind bis zum letzten Quadratmeter mit Fischerhütten bebaut. Andere sind schachbrettartig mit Seegras-Pflanzungen bedeckt. Und einige, von denen wir etwas Abstand halten, stellen Vogelschutzgebiete für Zugvögel dar. Wir meiden die IFR-Anflug-Sektoren und  können uns ohne Wartezeit in den Gegenanflug zur 22  einfädeln, wobei wir noch einmal einen schönen Überblick über unsere Urlaubsinsel haben. Ein kurzer Anflug, eine lange Landung mit 90 mph über mehr als 4/5 der für größere Vögel gemachten Bahn, Gas raus, ausschweben, schließlich aufsetzen und abrollen über Taxiway Lima, schon haben wir die Halle von TopFlite Airways und damit das Ende unseres kleinen Philippinen-Flugabenteuers erreicht. In der tropisch-paradiesischen Umgebung unseres Hotelpools haben wir Gelegenheit und Muße, bei einem Mango-Shake die Eindrücke, die dieser schöne Flug hinterlassen hat, ein wenig sinken zu lassen.

PS.: Die C 172 RP-2706 gibt es inzwischen nicht mehr: Captain Ishida musste mit ihr wegen eines Maschinenschadens auf einem Fischteich in Bohol notlanden. Er und seine beiden Passagiere wurden nicht ernsthaft verletzt.